Verbandsarbeit

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10. Jänner 2018

Der ÖMT positioniert sich zum Europäischen Jahr des Kulturerbes

Über eine Initiative des EU-Kulturministerrats, unterstützt durch das Europäische Parlament, wurde seitens der Europäischen Kommission das Jahr 2018 als „Europäisches Jahr des Kulturerbes" ausgerufen. Dieses soll zur Förderung der Rolle des europäischen Kulturerbes beitragen, das eine Schlüsselkomponente der kulturellen Vielfalt und des interkulturellen Dialogs darstellt. Gleichzeitig soll es den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag stärken, den das europäische Kulturerbe durch sein mittelbares und unmittelbares wirtschaftliches Potential leistet.

Zum Kulturerbe zählen nicht nur Literatur, Kunst und Gegenstände. Man begegnet ihm auch in technischen Einrichtungen die wir täglich benutzen, Handwerkspraktiken die wir erlernen, den Geschichten die wir erzählen, dem Essen das wir genießen, den Filmen die wir uns ansehen und der Musik der wir lauschen.

Historische Schienenfahrzeuge und bahntechnische Einrichtungen sind demnach ebenso als wertvolles Kulturgut zu betrachten. Im Gegensatz zu baulichen Kulturdenkmälern, deren Funktion dem Betrachter rein statisch vermittelt werden kann, ist für die Dokumentation von technischen Kulturgütern jedoch die Vermittlung der Funktionsweise eines Objektes ausschlaggebend. Auf das Thema historischer Bahnen angewandt bedeutet dies, dass auch die Erhaltung der Betriebsfähigkeit gegeben sein sollte. Die Bewahrung althergebrachter Handwerkskunst und Praktiken gehört genauso dazu wie der Aufbau von Archiven und Sammlungen von Ausrüstungsgegenständen und Fahrzeugen.

In unserem Land hat sich in den letzten Jahrzehnten eine bunte Vielfalt zahlreicher historischer Bahnen und Zugbetreiber etabliert. Diese vermitteln den Besuchern anschaulich den Bahnbetrieb von anno dazumal. Sei es mit Dampf-, Elektro-, oder Dieseltraktion, auf der Vollbahn, den beschaulich anmutenden Schmalspurbahnen, den kühn trassierten Zahnradbahnen, oder auf den Straßen- und Überlandbahnen. Den Besuchern steht dabei eine breite Palette des Reisens zur Auswahl. Vom klassischen Schnellzug der „Belle Époque", über Lokalbahnromantik in der „Holzklasse", bis hin zur Straßenbahn, die einst den urbanen Massenverkehr einleitete. Neben einer Reihe ehrenamtlich tätiger Organisationen, sind auf diesem Sektor aber auch einige Verkehrsunternehmen aktiv die sich Ihrer Tradition bewusst sind und die Geschichte des Bahnbetriebes vergangener Zeiten für die Nachwelt bewahren.

Das Europäische Jahr des Kulturerbes rückt das reiche kulturelle Erbe Europas in den Fokus der Öffentlichkeit und zeigt auf, wie wichtig das Kulturerbe für die Förderung eines gemeinsamen Identitätsgefühls und für die Gestaltung der Zukunft Europas ist.

Die Förderung der Wertschätzung des Kulturerbes stellt auch eine Reaktion auf die bewusste Zerstörung von Kulturgütern auf dem Balkan und im Nahen Osten dar. Doch auch in unseren Breiten ist man nicht vor bewusster Zerstörung, vor allem baulichen und technischen Kulturgutes, gefeit. Die dem Würgegriff der Liberalisierung ausgesetzten Verkehrsunternehmen unterliegen heutzutage einem enormen Kostendruck und agieren oftmals ausschließlich gewinnorientiert. Falsch verstandene Fortschrittshörigkeit, Begehrlichkeiten auf Liegenschaften und Profitgier, aber auch Ignoranz und persönliche Animositäten, sowie die überzogene Interpretation von Regularien bewirkten in der Vergangenheit und bewirken auch in unseren friedlichen Zeiten das Aus von unwiederbringlichem technischen Kulturgut. Wir sind angehalten unser kulturelles Erbe in seiner Gesamtheit zu schützen und für die kommenden Generationen zu bewahren.

Die Feierlichkeiten dieses Jahres bieten die Gelegenheit, die Bevölkerung zu ermuntern, Europas reiche kulturelle Vielfalt bewusst wahrzunehmen und über den Stellenwert nachzudenken, den das Kulturerbe in unserem Leben einnimmt. Es ermöglicht dadurch, die Vergangenheit zu verstehen und die Zukunft zu gestalten. Neben Projekten und Initiativen in den EU-Mitgliedstaaten, Gemeinden und Regionen sollen auch von der EU finanzierte länderübergreifende Projekte durchgeführt werden. So wird die Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten die „Assises du Patrimoine" als eine Hauptveranstaltung des Europäischen Jahres des Kulturerbes organisieren, um mit der Arbeit an einem langfristigen EU-Aktionsplan für Kultur und Kulturerbe zu beginnen.

Die Österreichische Regierung begrüßt die Implementierung des Europäischen Jahres des Kulturerbes und wird sich aktiv daran beteiligen. Die Initiative wird als Möglichkeit gesehen, die Bewusstseinsbildung für das Kulturerbe zu erhöhen, die Aufwertung des Kulturerbes zu fördern und in diesem Bereich verstärkt mit Nachbarländern zusammenzuarbeiten. Für die Umsetzung des Kulturerbejahres wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt eingerichtet, in der sowohl die verschiedenen Bundesministerien als auch Repräsentanten der Bundesländer, des Bundesdenkmalamtes und der Zivilgesellschaft eingebunden sind. Die geplanten Aktivitäten werden ab Ende Jänner 2018 über eine eigene Website www.kulturerbejahr2018.at dargestellt werden. Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft wird am 11. und 12. Dezember 2018 in Wien die Abschlusskonferenz zum Kulturerbejahr stattfinden.

Die ÖMT-Mitgliedsorganisationen werden sich aktiv am Europäischen Jahr des Kulturerbes beteiligen um das Engagement jener Organisationen, die sich mit der Erhaltung historischer Technik befassen, zu würdigen und deren Leistungen ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, denn auch sie bewahren unwiederbringliches Kulturgut vor dem Verfall.


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